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Künstliches Hüftgelenk: ermutigend
Ein Erfahrungsbericht von D.R.
1994 holte mich 47 jährig meine Intensivläufervergangenheit ein:
Verschleiß der rechten Hüfte mit der Folge kräftiger Schmerzen nach jeder Laufeinheit.
Als Ausweg für meine sportliche Leidenschaft bin ich auf das Rennrad umgestiegen,
auf dem ich selbst bei Intensivbelastung von ca. 300 W die Hüfte je nach Trittfrequenz
nur mit 400 bis 500 N spezifisch belaste ( Vergleich: beim Spaziergang werden bei
78 kg Körpergewicht mit jedem Schritt Kräfte von mehr als 3000 N in die Hüftgelenke
eingeleitet).
13 Jahre später war es dann soweit:
das Rennradfahren ging zwar noch aber das normale Gehen wurde zur Qual. Mitte November letzten Jahres entschloss ich mich zur Operation im Stankt Elisabeth Krankenhaus in Kiel bei Priv. Doz. Dr. Gerdesmeyer. Dort kommt eine völlig neue Operationstechnik zum Einsatz.
Es wird überhaupt kein Knochen mehr weggenommen, sondern nur die verschlissene
Knorpelschicht mit einer Spezialprothese der Fa. ESKA eingesetzt. Das ganze minimal invasiv, so dass überhaupt kein Muskel mehr verletzt wird.
Durch dieses neue Verfahren konnte ich bereits nach 7 Tagen wieder voll arbeiten und war ohne Schmerztabletten nahezu schmerzfrei. Am 8. Tag nach der OP begann ich neben den üblichen Gymnastikeinheiten vorsichtig auf dem Ergometer in 10 Minuten Einheiten bei ca. 100 W mein erstes Training. Diese konnte ich bis zur 6. Woche auf 200 W über 45 min steigern. 
Im warmen Australien habe ich über Weihnachten und Neujahr die ersten leichten Ausfahrten gemacht und meine Umfänge wieder gesteigert. Heute nach etwas mehr als zwei Monaten trainiere ich bereits meine üblichen Winterumfänge, bin wieder schmerzfrei und besitze bereits eine wesentlich bessere Beweglichkeit als vor der OP.
Die Aussichten, quasi ohne Einbuße weiter Rennrad zu fahren, sind mehr als beglückend. Ich möchte mit diesem Brief all denen Hoffnung machen, die ebenfalls unter Gelenkverschleiß leiden:
"Man kann wieder zu alten Trainingseinheiten und Umfängen zurückkehren, auch
wenn das viele nicht glauben mögen."
Zum Schluss seien ein paar fachliche Bemerkungen eines Nichtmediziners aus
physikalischer Sicht erlaubt:
Großkopfprothesen (Kopfdurchmesser ca. 50mm), wie die Oberflächenprothese in Kiel, haben die Vorteile, dass sie die Belastungskräfte auf wesentlich größere Flächen verteilen als herkömmliche Hüftprothesen (32mm), dass sie nicht zum Impingement (Aufschlagen des Hüftkopfhalses auf den Pfannenrand) bei starker Beugung des Oberkörpers neigen und wesentlich mehr Beugung (innen- und außenwendig, nach vorne und nach hinten) der Hüfte ohne Herausspringen des Hüpfkopfes aus der Pfanne erlauben.
Letztlich brauche ich nicht einmal mit dem Kunstgelenk meine Sitzposition verändern. Und das besondere an dieser Onlayprothese, die mir eingebaut wurde ist, dass weiterhin jede andere Hüftprothese eingebaut werden kann, wenn dies später mal notwendig sein sollte.
D.R.